Nein, der Michel zieht jetzt nicht ins Kloster um. Es geht hier und heute "nur" um die emotionale "Anhaftung" an Gegenstände ...
Nun, bis zum Umzug sind es ja nur noch drei Wochen und ihm Rahmen der Vorbereitung war und bin ich kräftig am ausmisten – wann wenn nicht bei Umzügen rafft man sich wirklich dazu auf. Ausmisten heißt automatisch ja auch wegschmeißen, entsorgen. Ich kann gar nicht genau sagen, wieviel Säcke an Krimskrams, Zeitschriften, Papierzeugs und Dingsbumsens ich die letzten Wochen aus der Wohnung und dem Keller geschleppt habe. Dabei bemerkte ich, wie leicht es mir doch – im Vergleich zu noch vor ein paar Jahren – fiel, dies zu tun, also mich konsequent von Dingen zu trennen.
Denn bislang war ich mir recht sicher, eine Tendenz zum Messyismus zu haben. Mir fiel es wirklich nicht leicht, mich von Gegenständen zu trennen; ich redete mir immer ein, dass ich das eine oder andere doch noch brauchen könne, oder ich die eine oder andere Zeitschrift nochmals lesen wollte ... oder alles irgendwann mal ja etwas wert sein könnte – "wegen alt und so" … Nicht zu vergessen mein leichter Hang zur Nostalgie, dem bittersüßen Gefühl wenn man sich anhand von gegenständlichen Zeitzeugen des Vergangenen erinnert.
So oder so, ich suchte mir regelrecht Gründe, Dinge zu behalten. Dann kam mein erster Umzug, von zu Hause weg in die WG. Ein Großteil meiner Sachen blieben aber bei meinen Eltern – aus den Augen, aus dem Sinn. Es gab keinen Grund, mich wirklich von etwas trennen zu müssen und ich war auch sehr froh darüber.
Nun sind ein paar Jahre vergangen und meine Einstellung hat sich doch ziemlich geändert. Ich frage mich nun ganz bewusst: "Hat der Gegenstand wirklich einen beachtlichen emotionalen Wert für mich? Benutze/trage/lese/brauche ich den Gegenstand WIRKLICH noch?" Sagt mein Verstand (nach kleiner Rücksprache mit dem Herz) dann "Nein!", akzeptiere ich dies nun auch und versuche nicht mehr, mich selbst von gegenteiligem zu überzeugen. Und es tut mir richtig gut, wenn ich mich dann endlich von etwas gelöst, meine Anhaftung an den Gegenstand überwunden habe.
Woran das liegt?
Einfach am älter werden, reifen? An der Erfahrung, mich vom Elternhaus emanzipiert zu haben, selbstständig zu sein? Vielleicht ist es auch die Erfahrung, dass das Leben eine Entwicklung ist, ein Prozess des Kommens und Gehens, von Anfang, Ende und Neubeginn? Oder ist mir nun einfach bewusst(er), dass dieser Prozess numal nicht an gegenständliche, physische Anker gebunden ist und somit meine Identität, meine Person von diesen gegenständlichen Ankern unabhängig ist?
Zitat Wikipedia:
Upādāna (pali/sanskr. Aneignung, Erwähnung) ist ein buddhistischer Terminus für das Festhalten am Vergänglichen.
Im Deutschen ist als Übersetzung das Kunstwort Anhaftung oder Anhaften üblich geworden. […] Die anhaftenden Wesen klammern sich an Objekte, Ansichten und ihre eigenen Meinungen und binden sich dadurch aus buddhistischer Sicht an den leidvollen Kreislauf des Werdens und Vergehens (Samsara). Anhaften entsteht aus den drei Geistesgiften: Gier, Hass und Verblendung. Da alle Erscheinungen vergänglich und unbefriedigend sind (vgl. Drei Daseinsmerkmale), erschafft man sich zusätzliches Leid, wenn man nicht loslassen kann. Denn die Objekte des Anklammerns werden vergehen, sind unbefriedigend und fügen zum tatsächlichen Schmerz auch noch den Schmerz der Enttäuschung hinzu …
In diesem Sinne,
euer Michel
8. Februar 2010
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2 Kommentare:
Das ist wahr. Habe auch kiloweise Kleider aussortiert neulich. Jetzt freu ich mich über einen aufgeräumten Schrank.
Bei meinem Unizeugs fällt es mir allerdings noch schwerer. Vielleicht, weil ich es wirklich noch brauchen könnte.
Ja, bei meinen FHF-Sachen hab ich auch etwas gezögert, gerade weil es ja auch so schön meinen Prozess der Ausbildung darstellt.. aber die Konsequenz hat gesiegt ;)
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