by davezillaHeute möchte ich mal ein bisschen meinen Unmut bezüglich dem Thema Sexismus und Diskriminierung vom Hirn schreiben – passend dazu mit etwas reißerischer Überschrift. Vorweg: Dieser Beitrag hat keinen Anspruch auf Kompetenz und ist in erster Linie Ausdruck meiner persönlichen Überzeugung. Auch wenn in einigen Punkten Überschneidungen existieren, darf der Beitrag nicht als offizielle Aussage der Piraten-Partei verstanden werden.
Warum denn nun das Thema Sexismus? Klar, es gibt natürlich noch viele weitere "Auslöser" für Diskriminierung: geografische Herkunft, Religion, Aussehen, soziale Herkunft, et cetera et cetera. Doch für mich scheint aktuell nichts derart präsent und akut zu sein, wie die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts, der geschlechtlichen Identität und der sexuellen Orientierung.
Mir wird immer bewusster, in was für einer gender- und geschlechtsbedingten ungleichberechtigten Gesellschaft wir doch nach wie vor leben. Nun, mir wird es auch deswegen immer bewusster, da ich mittlerweile auch vermehrt darauf achte.
Ein Haupt-Auslöser war ein - in meinen Augen sexistischer Vortrag – einer Soziologie-Professorin zum Thema "Sexismus in der Bildung". Darin wurden – zu Recht – vorhandene Missstände und Benachteiligungen aufgezeigt und es wurde interessante Fragen aufgeworfen. Mein Problem dabei war allerdings, dass es ausschließlich um die Benachteiligung und Diskriminierung von Frauen ging. Männer, Transgender und sexuelle Orientierung per se wurden, wie so oft, einfach mal komplett ausgeklammert.
Warum ich ein Problem damit habe? Nun, Frauen leiden und litten weltweit mit Sicherheit mehr als die Männer unter Unterdrückung, Gewalt und Benachteiligung und es war ein harter Kampf um ihre Rechte.
Aber dennoch: darf Quantität des Leidens ein Argument sein? Ist die Diskriminierung von Nicht-Frauen irrelevant, nur weil solche Fälle seltener sind? Ist Feminismus oder Matriarchismus die richtige Antwort auf Diskriminierung und Patriarchismus? Darf man Feuer mit Feuer bekämpfen? Ich sage Nein, aber dazu später mehr.
Wahrscheinlich hat jeder (und jede) Fälle und Situationen erlebt, in denen sexuelle Diskriminierung eine kleine oder große Rolle spielte. (gerne Feedback in den Kommentaren). Es ist ein extrem weites Feld und ich möchte deshalb ein paar Aspekte hier mal ganz grundsätzlich angehen – mit dem Grundgesetz.
Nun, sind wir denn vor dem Grundgesetz nicht eigentlich alle gleich? Schauen wir doch mal rein, genauer in Artikel 3:
- (1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
- (2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.
- (3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.
Springen wir aber nun mal zu Artikel 12a:
- (1) Männer können vom vollendeten achtzehnten Lebensjahr an zum Dienst in den Streitkräften, im Bundesgrenzschutz oder in einem Zivilschutzverband verpflichtet werden.
Stöbern wir mal weiter, Artikel 6:
- (1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutze der staatlichen Ordnung.
- (2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.
- (4) Jede Mutter hat Anspruch auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft.
Abermals wird hier mit zweierlei Maß gemessen. Denn nicht nur dürfen nur heterosexuelle Paare eine echte Ehe und somit den "besonderen Schutz der staatlichen Ordnung" genießen, nein, sie dürfen auch nicht gemeinsam (Betonung auf gemeinsam) ein Kind adoptieren und sich gemeinsam und rechtlich (besonders im Sinne des Kindes) abgesichert um dessen Pflege und Erziehung kümmern. Zweierlei Maß.
Im 4. Punkt wird des weiteren deutlich, dass wohl nur die Mutter Anspruch hat "auf den Schutz und die Fürsorge der Gemeinschaft". Aha. Väter haben also aufgrund ihres Geschlechts keinen derartigen Anspruch auf Schutz und Fürsorge. Zweierlei Maß. Alleinerziehende Väter haben dann halt erst recht Pech.
Ich denke, ich habe meinen Punkt klar genug erläutern können. Nicht nur gesellschaftlich ist gender- und geschlechtsspezifische Diskriminierung nach wie vor ein existentes und nicht zu kleines Problem, sondern zudem auch grund-rechtlich! Und hier komme ich wieder zu den Fragen, die ich anfangs zwischen den Zeilen gestellt habe:
"Wie bekämpft man Diskriminierung?" Mit Frauen- oder Schwulenquoten in Parteien, Unternehmen und Führungspositionen (diesbezüglich wäre die Bundesregierung ja sehr vorbildlich …)? Mit erzwungenem ge-gendere von gewachsener Sprache ("Fragen Sie Ihre/n Arzt/Ärtzin oder Apotheker/in" – "ich bin eine Personin…")? Mit Zwangs-Outings in der Bundesliga der Männer sowie weiteren scheinbaren Bastionen der Heterosexualität zwecks Steigerung der Mainstream-Akzeptanz?
Ich sage da ein ganz klares Nein!
Ich sehe es ein, dass man auf Misstände immer wieder aufmerksam machen muss, überhaupt keine Frage. Auch darf man nie Aufhören, Stereotypen und Rollenklischees immer wieder zu hinterfragen und nicht als gegeben hinzunehmen. Aber Gleichberechtigung (rechtlich sowie in den Köpfen) erreicht man ganz sicher nicht dadurch, dass man die Unterscheidung noch betont und die Gräben vertieft.
"Der Mensch" steht für beide Geschlechter, erst "die Menschin" (Achtung, überspitzt) würde zwei Geschlechter-Pole erzeugen und die Unterscheidung betonen. Ist denn "die Menschheit" weiblich?
Quoten bringen keine Gleichberechtigung, sondern eher das Gegenteil, da eventuell besser qualifizierte Mitbewerber aufgrund ihres "anderen" Geschlechts benachteiligt werden. Nett gemeint, falscher Weg.
Aber wie dann?
Ich bin ganz klar Verfechter der "gelebten Gleichberechtigung". Dieses Prinzip lässt sich problemlos auf jede weitere Form der Gleichberechtigung ausweiten. Ich bleibe aber an dieser Stelle bei der sexuellen Diskriminierung: Meine These: Gleichberechtigung aller Geschlechter und sexuellen Identitäten und Orientierungen ist erst dann wirklich möglich, wenn diese Faktoren schlicht und ergreifend keine Faktoren mehr sind – wenn es einfach egal ist, ob du Frau, Mann, Transgender, hetero- oder homosexuell (und allen dabei erdenkbaren und vorhandenen Zwischenschritten) bist und ihnen somit keinerlei Relevanz zugesprochen wird.
Ich glaube, es kann so einfach sein.
Gerade die Politik muss diese Haltung fordern und fördern und endlich auch rechtlich die Rahmenbedingungen für echte, gelebte Gleichberechtigung schaffen! Das ist einer der vielen Gründe, warum ich meine politische Ignoranz und Passivität mittlerweile an den Nagel gehängt habe.
Wo wir gerade beim Thema sind: Auch hier ist die Piraten-Partei ein kleines Vorbild. Im Wahlkampf (und auch jetzt noch) stand sie in der Kritik, weil sie doch "so eine geringe Frauenquote" habe, sowohl bei den Mitgliedern, als auch in den Vorständen und bei den Direktkandidaten. Ich, der Gleichberechtigung leben will, kann darauf nur antworten: "Na und? Warum soll das Geschlecht ein Kriterium der Qualifizierung sein?" Übrigens weiß man Piraten-intern gar nicht, wie viele Frauen und/oder Männer und/oder Hermaphroditen es in der Partei gibt, weil diese Angabe beim Eintritt einfach nicht abgefragt wird. Warum auch?
Es muss so einfach sein!
Ich könnte noch stunden- und seitenlang weiter argumentieren, hoffen und wünschen … je mehr ich mich mit dem Thema beschäftige, desto schlimmer und gleichzeitig hoffnungsvoller wird es. Ich würde mich sehr über eure Meinungen und Standpunkten zu diesem Thema freuen, sei es als Kommentar, per Mail, Twitter oder von Angesicht zu Angesicht … ich glaube, dass Thema muss endlich wieder richtig ins Gespräch – als neutrales, echt gleichberechtigtes und nicht mehr als EMMA-geprägtes.
So, an dieser Stelle Danke fürs Interesse an meinen Hirnfunken.
Ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen Gedanken in Bewegung setzen.
In diesem Sinne,
euer Michel



6 Kommentare:
waere schoen, wenn man (mit einem "n", also alle) - wie Du schreibst - dieses Thema noch nicht mal ignorieren muesste. Bis dahin - ja, es gibt nichts Gutes ausser man tut es.
Hi,
ja Du hast recht. Es sollte egal sein, was man ist. Man sollte nicht so sehr auf das Trennende schauen, sondern auf die Gemeinsamkeiten, die uns Menschen verbindet.
Beste Grüße vom Bodensee,
Michaela
JD: vor dem feminismus war das ja schon so. und es hat funktioniert ... scnr
Degele?
Ja, ich glaube so hieß die Professorin … Schon die Bekanntschaft gemacht ;) ?
@Christian, @Michaela Ja, am schönsten wäre es wirklich, wenn man das Thema "nicht mal ignorieren" könnte und einfach Menschen als Individuen "definieren" und nicht nach ihren Schubladen, Kategorien und einzelnen Teilaspekten beurteilen. Leben wir's.
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