Ohja. Ich muss nur mal YouTube anschmeißen und die Intros der "Curiosity Show" oder "Disney Show" schauen, schon flasht es mich und bin in einem seltsam halbdurchlässigen Schwebezustand zwischen 2008 und 1988. Es ist, als würde das eigene, "aktuelle" Bewusstsein leicht außer Phase verschoben und teilweise mit meinem früheren Ich verschmolzen; man sieht ein bisschen durch die Augen von damals, man fühlt sich ein bisschen in der damaligen Situation. Ein regelrechtes Feuerwerk scheint in den dunklen und verstaubten Ecken des Hirns von Statten zu gehen, lang verschollene Erinnerungen, Gedanken und Sinneseindrücke sind instantan wieder da, als wären sie nie weg gewesen.
Fotos vermögen das auszulösen, Bewegtbild noch mehr. Aber was ich heute Abend erleben durfte, stellt das alles echt in den Schatten. Durch Zufall erinnerte sich meine Mutter, dass sie früher oftmals uns heimlich beim Essen o.ä. aufgenommen hat, um uns dies ein bisschen später nach dem Motto "So nervig könnt ihr sein" vorzuführen. Also, schnell war die Kassette gefunden und eingelegt. Zuerst lautes Rauschen, dann hörte man auch schon meine Mutter mit jüngerer Stimme und irgendwie stärkerem Dialekt reden. Die Klangqualität war natürlich recht schlecht, allerdings auch ausreichend. Wenig später erklang auch schon das erste, helle "Mama": mein Bruder im Alter von rund 2. Unglaublich meinen inzwischen 17 Jahre alten Bruder mit dieser Kleinkind-Stimme und der goldigen holprigen Aussprache zu hören, dabei hatte ich ihn ja damals auch "live" so gehört. Wir mussten teilweise heftig lachen, nicht nur aufgrund der Kleinkind-Aussprache, sondern auch wegen der teils total unsinnigen Unterhaltung meiner Eltern ^^ …
Dann kam der "große" Moment, ich hörte mich selbst sprechen, im Alter von 8. Kaum zu glauben, dass ich mich mal so angehört habe. Noch interessanter war es zu hören, dass ich schon in diesem Alter total besserwisserisch war – z.B. wollte ich auf dieser Kassette gerade meinen Eltern verklickern, wie unlogisch es ist, dass Adam und Eva die ersten Menschen gewesen sein sollen (ich hatte zu diesem Zeitpunkt gerade ein "Was ist Was"-Buch über Urmenschen gelesen) – tja, manche Dinge ändern sich nie ;).
Und so ging es weiter, es war einerseits ein riesiger Spaß mit großen Lachern, andererseits schwang auch immer ein bisschen Wehmut mit – Nostalgie in Reinstform eben. Es ist eigentlich auch kein Wunder, dass nostalgische Momente so eine starke Wirkung auf uns haben. Alles was uns als Person ausmacht ist ja unsere Erfahrung, unsere Vergangenheit ist alles, was uns prägt. Man muss halt nur aufpassen, dass man nicht zu sehr der Vergangenheit nachhängt/nachtrauert oder sich in einer verklärten Rückschau verliert. Naja, ich werde nächstes Mal auf jeden Fall ein Audiokabel mitnehmen und erstmal diese und andere Kassetten digitalisieren; denn was wir heute gemeinsam als Famile angehört haben, ist wirklich ein einmaliger Familienschatz, der nicht verloren gehen darf.
In diesem Sinne, euer Michel
5. Oktober 2008
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4 Kommentare:
Du klingst grade so als würdest du alt... ^^
Dem ist so Herr Marquardt, dem ist so ... *seufz*
das mit adam und eva ist echt super, vll darf ich's mir auch mal irgendwann anhören? ;)
dein bester artikel bis jetzt. :) aber darum geht's ja nicht... war jedenfalls amüsant.
Haja, sobald ich die digitalisiert habe, kannst mal reinhören, ist halt relativ lang... ^^
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